Den Rahmen sprengen

Petra Reth im Interview mit Annette Mertens, Foto: Bettina Brökelschen

Petra Reth im Interview mit Annette Mertens, Foto: Bettina Brökelschen

Hinter vorgehaltener Hand

nennen sie viele den „Engel von Dortmund“. Wer ist diese Frau? Ich möchte es genauer wissen und verabrede mich mit ihr zum Interview. Petra Reth lebt in Dortmund. Seit 33 Jahren arbeitet sie als Arzthelferin in derselben Praxis. Die Ärzte kamen und gingen. Petra Reth blieb, die Patienten ebenfalls.
Was macht die Mutter von drei erwachsenen Kindern zum Engel?
„Ich habe den schönsten Beruf auf der Welt“ erzählt sie mir mit leuchtenden Augen. Ihr Arbeitsplatz ist die Praxis eines Allgemeinmediziners in der Reinoldistraße, der zur Heilung intensiv die Möglichkeiten der Naturheilkunde in das breite Behandlungsspektrum integriert.

Immer ein offenes Ohr

Petra Reth hilft mit Worten, Umarmungen und Taten: „Ich begegne den Menschen, so wie ich selbst behandelt werden möchte“. Im Laufe der Jahre hat sie unzählige Fortbildungen absolviert. Umfangreiche Kenntnisse über Schmerztherapie, Orthopädie, Akupunktur, aber auch spirituelle Heilweisen zählen zu ihren Qualifikationen.

"Den Rahmen sprengen" - Skulptur von Petra Reth, Foto: Bettina Brökelschen

„Den Rahmen sprengen“ – Skulptur von Petra Reth, Foto: Bettina Brökelschen

Die engagierte Frau geht den Ursachen von Symptomen auf die Spur: Ein junger Patient erscheint mit Magenbeschwerden. Sie kennt ihn bereits seit seiner Kindheit und fragt nach. Es stellt sich heraus, dass sich der junge Azubi mit dem Kauf eines reparaturintensiven Gebrauchtwagens übernommen hat. Die Versicherung schickt ihm bereits Mahnungen. Er ist verzweifelt. Seine Eltern möchte er nicht um Hilfe bitten. Nach einem kurzen Gespräch, wie viel Bargeld ihm noch zur Verfügung steht, greift Petra Reth beherzt zum Hörer. Sie telefoniert sich durch die Abteilungen einer großen deutschen Versicherung, bis sie endlich auf einen Entscheidungsträger im Vorstand trifft. Sie handelt einen Vergleich aus. Das erfolgreiche Gespräch endet mit den Worten „Rufen Sie uns bitte nie wieder an“ fügt Petra Reth schmunzelnd hinzu. Die Magenbeschwerden ihres Patienten sind „geheilt“.

„Oft reicht es schon, ein wenig beim Sortieren des Lebens zu helfen oder auch mal einen Job zu vermitteln“ erzählt mir die Frau mit den kreativen Lösungsansätzen.

Aus Patienten werden Freunde

Aus der Skulpturenreihe „Die Säulen des Lebens“ von Petra Reth, Foto: Bettina Brökelschen

Solche Situationen gehören zu ihrem Alltag. Auch dafür liebt sie ihren Job. Die Patienten empfindet Petra Reth als Erweiterung ihrer Familie. Ihre menschliche warme Art bekommt sie vielfach zurück. In ihrer Freizeit verwandelt sie Erfahrungen, Gefühle und Erlebnisse zu Kunst. Sie erschafft Skulpturen, um andere an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Bei den zahlreichen Ausstellungen ihrer „Säulen des Lebens“ identifizieren sich die Betrachter mit ihrer positiven Darstellung von Handlungsmöglichkeiten. Patienten bringen sich bei Bedarf tatkräftig ein, indem sie für die Werke der Künstlerin den passenden Rahmen oder einen standfesten Fuß konstruieren.

"Echte Liebe" - Statue von Petra Reth, Foto: Bettina Brökelschen

„Echte Liebe“ – Statue von Petra Reth, Foto: Bettina Brökelschen

Aktuell bereitet die kreative, vielseitige Arzthelferin ein Festival mit verschiedenen Künstlern aus den Bereichen Musik, Malerei, Skulpturen und Tanz vor: Alle Beteiligten arbeiten über einen Zeitraum von sechs Wochen mit Schülern an verschiedenen Projekten, die beim diesjährigen Festival in Dortmund gezeigt werden.

Außerdem schreibt die rührige Dortmunderin gerade an ihrem zweiten Buch: Es geht um eine karriereorientierte Frau Mitte 30, die auf der Jagd nach dem vollkommenen Glück ihre Träume vergessen hat, bis ihr ein paar Waldwesen der besonderen Art begegnen.

Petra Reths Botschaft: „Wenn Sie das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren, hinterfragen Sie ihre Grenzen. Sprengen sie bei Bedarf den Rahmen!“

In einem Zitat von Martin Buber heißt es, „Einen Engel erkennt man immer erst, wenn er vorüber gegangen ist“. Sind Sie dieser herzlichen Dortmunderin vielleicht auch schon mal begegnet?

Weitere Termine: „Sound of Silence“ – Skulpturen-Ausstellung gemeinsam mit Künstlerin Bettina Brökelschen in der Berswordthalle ab 4. August 2014. Infos unter www.petrareth.de
Text: Annette Mertens
Fotos: Bettina Brökelschen

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