Teilen aus Überzeugung – ein Mann lebt seinen Traum

Ein altes Sprichwort besagt „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ oder umgekehrt „Geteiltes Glück ist doppeltes Glück“. Wissenschaftler glauben, dass die Fähigkeit, Emotionen anderer Menschen nachzufühlen, in den Genen und im Gehirn steckt. Später prägen die Umgebung, in der wir aufwachsen und Vorbilder unser Empathievermögen.

Bochum. Seine Kindheit und Jugend verbringt der Bochumer Markus Wehrstedt mit seinen Eltern und vier Geschwistern in Waldeck am Edersee. Nach dem Abitur möchte er studieren:

Markus Wehrstedt (Mitte) mit seinen Geschwistern Angelika und Michael, Foto: privat

Markus Wehrstedt (Mitte) mit seinen Geschwistern Angelika und Michael, Foto: privat

Jura, Medizin und Meteorologie interessieren ihn

Sehr persönliche und beeindruckende Erlebnisse führen ihn zum Theologie-Studium. Um die Zulassung zu erhalten, absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Altenpflege. Die Arbeit gefällt ihm, doch den permanenten Mangel an Zeit bei der Betreuung der Menschen erlebt er als hektisch und anstrengend. Es folgt ein Jahr Praktikum in den Bereichen Jugendarbeit, Seelsorge und Gemeindebetreuung in einer sehr konservativen Gemeinde im Siegerland. In Hamburg studiert Markus zunächst zwei Jahre am Theologischen Seminar. Parallel absolviert er an der Universität Hamburg erfolgreich Sprachkurse in Griechisch und Hebräisch. Mit Jobs im Garten-Landschaftsbau, an Tankstellen, als wissenschaftliche Hilfskraft und mit einer halben Stelle als Pastor finanziert der Student seinen Lebensunterhalt. Die nächsten zwei Jahre verbringt er beim „Internationalen Baptistenseminar“ in Rüschlikon/Schweiz.

Markus Wehrstedt, Foto: privat

Markus Wehrstedt, Foto: privat

Um promovieren und selbst lehren zu können, besucht Markus für weitere zwei Jahre die theologische Fakultät der Universität Tübingen. „Doch während des Studiums kamen mir Zweifel über das, was Kirche heute oft ist und was sie sein könnte: Keine straffe Organisation mit festgelegten Ämtern, Glaubenssätzen und moralischen Verpflichtungen, sondern eine offene Gemeinschaft des Vertrauens und der Unterstützung mit wertschätzender Zuwendung.“ erzählt Markus.

Es kommt zum Bruch mit der Kirche als Organisation

„Ich möchte Menschen ermutigen und stärken, denn Mitgefühl für andere hält uns Menschen zusammen.“ fügt er hinzu. Diese Haltung lebt Markus Wehrstedt. Er ist damit Vorbild für viele: Im Juni 2005 realisiert der Theologe gemeinsam mit seiner Schwester Angelika Brünger und seinem Bruder Dr. Michael Wehrstedt einen Lebenstraum und gründet die „Encourager-Stiftung“ (engl. to encourage = fördern, ermutigen). Die Stiftung hilft Not leidenden Menschen weltweit durch finanzielle und materielle Hilfeleistungen. Schwerpunkt der Arbeit sind die Opfer von Naturkatastrophen, Kriegshandlungen, Vertreibungen, Verfolgungen, Inhaftierungen sowie medizinischer Mangelversorgung und Hunger. Besonders am Herzen liegen den Geschwistern Mütter und Kinder.

„Wir haben ganz klein angefangen mit 4000 Euro auf unserem „Encourager-Konto“. Inzwischen haben wir seit der Gründung über 128 000 Euro an 302 weltweite Hilfsprojekte verteilt. Unsere Stiftung gibt kein Geld für Gehälter oder Verwaltungskosten aus. Wir zahlen unsere Aufwendungen als Vorstand aus eigener Tasche.“ erzählt Markus. Die Mutter kümmert sich – ebenfalls ehrenamtlich – um die Stiftungs-Website.

Markus leitet die Geschäfte der Stiftung. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit einem Teilzeitjob in der Verwaltung zweier Studentenwohnheime im Rosa-Parks-Haus in Bochum.

Nach einem Halbmarathon in Bochum, Foto: privat

Nach einem Halbmarathon in Bochum, Foto: privat

In der Freizeit hält sich der ehemalige Triathlet mit Laufen und Schwimmen fit. Neben seinem eigenen Blog schreibt er seit April diesen Jahres in einem weiteren Blog über die Arbeit der Stiftung.

Markus‘ Traum für die Zukunft: „Inspirierende Bücher schreiben und damit dazu beitragen, das Leben auf unserem Planeten freundlicher zu gestalten und damit möglicherweise sogar meinen Lebensunterhalt  sichern.“

Foto: privat

Foto: privat

Sein Leitsatz für mehr gelebtes Mitgefühl stammt aus der Bibel: „Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben gibt für seine Freunde.“ – Johannes 15,13 –

Infos unter http://encouragerstiftung.wordpress.com und http://encourager68.wordpress.com

Text: Annette Mertens

Fotos: privat

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Teilen aus Überzeugung – ein Mann lebt seinen Traum

36 Gedanken zu “Teilen aus Überzeugung – ein Mann lebt seinen Traum

  1. Liebe Annette,
    Ich mag es sehr, welche wunderbaren und interessanten Menschen Du uns immer wieder vorstellst. Es ist traurig, welche wertvollen Menschen der Kirche verloren gehen, weil sie das ist was sie ist und nicht das wie sie sein sollte und könnte.
    Herzliche Grüsse,
    Claudine

    Gefällt 1 Person

  2. Ein Portrait, das Schule machen sollte.
    “ Keine straffe Organisation mit festgelegten Ämtern, Glaubenssätzen und moralischen Verpflichtungen, sondern eine offene Gemeinschaft des Vertrauens und der Unterstützung mit wertschätzender Zuwendung.”
    So kann Kirche funktionieren und mit Sicherheit Zulauf haben.

    LG Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  3. „Keine straffe Organisation mit festgelegten Ämtern, Glaubenssätzen und moralischen Verpflichtungen, sondern eine offene Gemeinschaft des Vertrauens und der Unterstützung mit wertschätzender Zuwendung“

    So eine Gemeinschaft wünsche ich mir schon lange. Im engeren Sinne könnte ich mir so etwas auch als eine Art „Ordensgemeinschaft“ vorstellen. Ob es so eine Gemeinschaft als Ersatz oder neben den Kirchen jemals geben wird?

    Liebe Grüße
    Volker

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Volker,
      danke für Deine Worte hier. Ja, ich sehne mich auch nach solch einer Form von Gemeinschaft. Sicher gibt es so etwas schon hier und dort und sowohl innerhalb als auch außerhalb der großen und kleinen Kirchen. Es hängt eben immer von den jeweiligen Menschen ab, die solche Gemeinschaften bilden, die ein großes Herz haben, die weitsichtig und kritikfähig sind . Mit unseren Motiven steht und fällt oft alles. So wie auch alle Partnerschaften verletzlich und zerbrechlich sind, so sind es auch alle Gemeinschaften. Eine Ordensgemeinschaft würde ich aber eher nicht bevorzugen – weil dort wohl eher wieder alles straff geregelt und durchorganisiert würde. Besser fände ich eine offene Bewegung, bei der man mitmachen und sich auch wieder ohne große Probleme verabschieden kann. Ich denke z.B. darüber nach, eine Encourager-Bewegung ins Leben zu rufen – aber ohne große Verbindlichkeiten oder Mitgliedschaften. Jede(r) dürfte hier kommen und gehen, wann und wie er möchte, sich inspirieren lassen, dazulernen, weiser werden und – wenn gewünscht – wieder seines/ihres Weges ziehen 🙂
      Liebe Grüße
      Markus
      (www.encourager68.wordpress.com)

      Gefällt 1 Person

  4. Hat dies auf Ermutigungen zum Leben! rebloggt und kommentierte:
    Hey toll!
    Annette Mertens – beruflich aktiv als Systemischer Coach und Dipl. Sozialarbeiterin in Dortmund – hat auf ihrem Blog „Ruhrköpfe“ ein Porträt über mich verfasst und veröffentlicht. Vor ein paar Tagen interviewte sie mich in einem Dortmunder Café – und heraus kam folgender Beitrag. Vielen herzlichen Dank Dir, Annette! Und allen Leserinnen & Lesern viel Spaß, etwas mehr über mich und mein Leben zu erfahren.
    PS. Auf Annettes Blog findet ihr noch einige andere Porträts über „Spannende Menschen aus Dortmund + Ruhrgebiet“. Schaut einfach mal rein – es lohnt sich!

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, es ist großartig, wenn wir uns auf unser Herz, unsere Berufung und die ‚innere Stimme‘ in uns einlassen. Dann kann mitunter eine Menge mit uns und unserer Welt passieren. Träume können wirklich wahr werden. Vielen Dank für Deine Worte, Marlies! LG Markus

      Gefällt 2 Personen

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