Jetzt erst recht – mit Leidenschaft zum Ziel

Dortmund. Viel Gegenwind erfährt Inna Schneider kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland vor etwa zwanzig Jahren. Ohne Deutschkenntnisse zieht die damals Achtzehnjährige mit ihrer Familie aus der Ukraine zunächst ins nordhessische Bad Wildungen.

Ihre Kindheit erlebt Inna traditionell in einer kleinen ukrainischen Stadt. Von Bergen und Wäldern umgeben wächst sie sehr naturverbunden auf. Von der Großmutter lernt sie die klassischen Handarbeiten, wie Stricken, Nähen, Sticken und Kneten: „Mit meiner Schwester Galina habe ich komplette Häuser und Dörfer aus Knetmasse geformt.“ erzählt sie lachend.

Modedesignerin Inna Schneider, Foto: Ulrike Kaden

„Ich habe lange überlegt, welcher Beruf zu mir passt.“

fügt Inna hinzu. In ihrem Umfeld sieht sie als Heranwachsende in der Ukraine kaum eine Chance, ihre Identität zu finden: „Als Ukrainerin durfte ich zwar studieren, doch anschließend sollte eine Frau heiraten und eine Familie gründen.“ Sie ist daher sehr glücklich über die Idee ihres Vaters, mit der Familie auszuwandern.

Die gelernte Weberin lernt schnell die neue Sprache und kümmert sich sofort um eine Ausbildung. Zielstrebig lässt sie sich zur Damenschneiderin ausbilden. Ihr Wunsch: Als Modedesignerin zeitlose, klassisch klare Schnitte entwerfen und anfertigen.

Skizze von Inna Schneider, Foto: Ulrike Kaden

„Meine Mutter legte viel Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Sie entwarf und nähte für uns, obwohl es in der Ukraine nicht viel gab. Das hat mich geprägt.“ erklärt Inna in ihrer sympathischen Art. Sie sitzt mir in einem wunderschönen, selbst entworfenem, schwarz-roten Kleid gegenüber, das ihre Persönlichkeit gut unterstreicht: Lebendig, leidenschaftlich, sehr wach und aufmerksam. Ihre Begeisterung wirkt ansteckend.

Das Umfeld reagiert demotivierend: „Das schaffst Du nie!“

Die junge Frau lässt sich jedoch nicht aufhalten. Inna weiß, was sie will und verfolgt ihr Ziel beharrlich. Nach etwa fünf Jahren Ausbildung und Arbeit als Damenschneiderin in Bad Wildungen bewirbt sie sich erfolgreich an einer Modeschule in Düsseldorf. Ohne Zögern zieht sie in die Metropole am Rhein. Kaum dort angekommen, stellt die Schule wegen Insolvenz den Betrieb ein.

Inna orientiert sich schnell um und absolviert statt dessen die Ausbildung zur Schnittdirektrice. Anschließend arbeitet sie befristet bei Nienhaus & Lotz in Gelsenkirchen. „Es war eine fantastische Zeit. Ich habe dort viel gelernt.“ ergänzt die Mutter eines inzwischen fast volljährigen Sohnes. Doch bald darauf meldet ihr Arbeitgeber die Insolvenz an. Die Produktion verlagert sich später ins Ausland. Inna möchte individuelle, langlebige Kleidung produzieren statt 08/15-Massenkollektionen. Sie startet den ersten Versuch in die Selbstständigkeit, gibt diese Idee bald wieder auf und geht den Umweg über die Ausbildung zur Bekleidungstechnikerin:

„Das war eine interessante und wichtige Erfahrung, jedoch überhaupt nicht mein Ding.“

Inzwischen in Gladbeck lebend, zieht sie für die lang ersehnte Ausbildung zur Modedesignerin aus dem Ruhrgebiet nach Mönchengladbach.

Inna und ihre Schwester Galina, Foto: privat

Ihre Schwester Galina Da Igreja lebt und arbeitet zu dieser Zeit bereits selbstständig als Kosmetikerin in Dortmund und erweitert ihr Repertoire in den folgenden Jahren mit einer Ausbildung zur Visagistin und zur Wellnessmasseurin.

Nach zwei Jahren zieht Inna als frischgebackene staatlich-geprüfte Modedesignerin zurück ins Ruhrgebiet. Gemeinsam gründet sie 2009 mit ihrer Schwester das Studio „Frauensache„, Hohe Str. 57 in Dortmund.

Seit fünf Jahren lebt Inna ihren Traum

„Ob für den alltäglichen Gebrauch oder für besondere Anlässe, maßgeschneidert oder aus meiner Kollektion, meine Mode kann nicht nur getragen, sondern auch bezahlt werden. Immer feminin mit besonderen Materialien stimme ich meine Schnitte am liebsten direkt auf die Figur und den Typ meiner Kundinnen ab – von klein und zierlich bis groß und üppig.“

Ihre Ideen für die Zukunft: Parallel zu den individuellen Maßanfertigungen, kleine, außergewöhnliche und einzigartige Kollektionen kreieren, individuelle Nähkurse für Anfänger und Fortgeschrittene in Kooperation mit Stoffläden, sowie Beratungen im Einzelhandel und als Dozentin den Nachwuchs ausbilden.

Ihr Motto, das sie gerne mit anderen teilt: „Sei anders! Sei kreativ! Sei bunt! Sei nicht wie alle anderen! Sei offen! Finde Deinen eigenen Stil und bleib ihm treu! Mode ändert sich ständig – Dein Stil bleibt!“

Infos unter http://www.frauensache-dortmund.de

Text: Annette Mertens

Foto: Ulrike Kaden und privat

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36 Gedanken zu “Jetzt erst recht – mit Leidenschaft zum Ziel

  1. Eine schöne Geschichte! Besonders das letzte Zitat ist eindrucksvoll!
    Wohin das Leben die Menschen doch führt…
    Und man sieht: harte Arbeit, Selbstvertrauen, Sturheit, Leidenschaft und Talent sind das Wichtigste um ein Ziel zu erreichen!
    Liebe Grüße,
    Lettercastle

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  2. Ich stamme aus Gelsenkirchen.
    Die Firma hieß früher Nienhaus & Luig.
    Da gegenüber hatte ich meine erste Stelle nach meiner Lehre.
    Bis zur Geburt unserer Tochter, da wohnten wir bereits in Westerholt.
    Mein Glückwünsche an Inna, nie den Mut verloren zu haben. Bei so vielen Geschäftsaufgaben.
    Nun mit ihrer Schwester zusammen geht es wohl richtig gut.
    Viel Erfolg euch beiden weiterhin ❤
    Bärbel

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  3. …eine sehr schöne und interessante Geschichte, die ich schon von Inna persönlich gehört habe 😉
    da ich bei ihr ein Praktikum absolviere, muss ich noch dazu sagen, dass sie auch eine sehr gute und geduldige Lehrerin ist 😉
    Mit Inna zusammen zu arbeiten macht es nicht nur Spaß, sondern es entsteht eine Atmosphäre im Raum, die einen motiviert und Hoffnungen gibt. Inna ist eine gute Zuhörerin und sehr menschlich.
    Ich bin froh, dass ich so einen Menschen kennen gelernt habe!
    Mach weiter so Liebes 😉

    Lg Tatjana

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  4. ich hab auch lange überlegt, welcher beruf zu mir passt. ich hab 30 jahre gebraucht, dann noch mal 10 jahre lernen, plus üben ohne ende. bis ich merkte, dass das, was ich jetzt tat, das gleiche war, was ich schon immer gemacht hab, mit dem unterschied, dass die welt bescheid wusste jetzt.

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  5. Wie immer sehr schön und einfühlsam geschrieben. Ich werde sicher bei Inna vorbeischauen und mich dieser äußerst sympathischen und offensichtlich kreativen Klasse-Frau mit meinen „Problemzonen“ anvertrauen. Bis dahin… Liebe Grüße Susanne

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