„Du bist anders“ – der ungewöhnliche Werdegang eines polizeilichen Ermittlers

Unabhängig voneinander schlagen mir zwei Freundinnen, die sich nicht kennen, den selben Dortmunder für die „Ruhrköpfe“ vor. Als ich nachfrage, schrecke ich zurück: „Ein Politiker? Oha, das sind doch oft Phrasendrescher, das geht nicht. Mein Blog und ich, wir sind überparteilich, unabhängig, frei von religiöser Beeinflussung oder anderen Ideologien.“ Die beiden insistieren: „Dieser ist anders.“ Ich gebe zu, er scheint ein spannender Mensch zu sein. Das Thema beschäftigt mich eine Weile. Die Neugier gewinnt. Macht Euch einfach selbst ein Bild. Ich bleibe weiterhin unparteiisch und offen für interessante „Ruhrköpfe“.

Der ungewöhnliche Werdegang eines polizeilichen Ermittlers

Dortmund. Thorsten Hoffmann wächst in Herne auf, lebt später in Recklinghausen. „Ich trat immer für Gerechtigkeit ein.“ erzählt er. Mit dieser Motivation entscheidet sich der sportbegeisterte Jugendliche für die Ausbildung zum Polizeibeamten in Selm/Bork. In den Jahren danach arbeitet er bei der Hundertschaft in Bochum und beim Objektschutz des Kölner Flughafens. Insgesamt versieht der junge Beamte sechs Jahre seinen Dienst bei der Schutzpolizei, bis er sich an der Fachhochschule Dortmund zum Kriminalkommissar fortbildet.

Thorsten Hoffmann im Gespräch mit mir im "Schönes Leben", Kreuzviertel Dortmund, Foto: Bettina Brökelschen

Thorsten Hoffmann beim Interview mit mir im „Schönes Leben“, Kreuzviertel Dortmund, Foto: Bettina Brökelschen

Ein Leben wie im Krimi

Ab 1990 arbeitet Thorsten Hoffmann über vierzehn Jahre beim Kriminaldauerdienst und als Fahnder in Dortmund, unterbrochen von Tätigkeiten beim Landeskriminalamt München und Thüringen. Der Polizist führt ein sehr aufregendes Leben. Das ist ihm jedoch zunächst nicht bewusst: Für ihn ist es ein Sinn gebender Traumjob. Sein Herz schlägt für die Fahndung. Bei Bedarf passt er sich optisch – Thorsten Hoffmann trug früher lange Haare – und sprachlich der Szene an. Trotzdem gelingt ihm der Wechsel zwischen der Arbeit im Milieu und dem Privatleben. Überdurchschnittlich viele Verhaftungen belegen sein ausgeprägtes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Trotz unzähliger Überstunden und unregelmäßiger Arbeitszeit macht ihm der gefährliche Job großen Spaß.

Thorsten Hoffmann mit Familie, Foto: Falko Wübbecke

Thorsten Hoffmann mit Familie, Foto: Falko Wübbecke

„Mir war immer wichtig, mich niemals erpressbar zu machen, denn nur so bin ich nicht angreifbar.“ erzählt der Vater eines Sohnes und zweier Pflegekinder. Während dieses bewegten Lebens fühlt er sich nie bedroht: „Die Gefahr war mir in vielen Situationen nicht bewusst und ein wenig Angst macht einen aufmerksam.“ fügt er mit strahlenden Augen hinzu. Als die Dienststelle aufgelöst wird, wechselt Thorsten Hoffmann in einen ganz anderen Bereich: Er wird Verbindungsmann zwischen der Polizeibehörde Dortmund und der Stadtverwaltung. Seine Aufgaben sind klar geregelt: Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Stadt.

„Ich wollte eigentlich nie in die Politik.“

„Als Vater ist mir das Eintreten gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten eine Herzensangelegenheit.“, kommentierte Thorsten Hoffmann seine Teilnahme beim Red Hand Day am 4. Februar, Foto: privat

„Als Vater ist mir das Eintreten gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten eine Herzensangelegenheit.“, kommentierte Thorsten Hoffmann seine Teilnahme beim Red Hand Day am 4. Februar in Berlin, Foto: Christoph Heyes

Durch eine kritische Bemerkung bei einer flüchtigen Begegnung mit einem Wahlkampfhelfer, der heute ein väterlicher Freund ist, kommt der 53jährige, in näheren Kontakt mit einer der großen deutschen Parteien. Ihm gefällt, aktiv etwas für die Gesellschaft zu bewirken: Kurz darauf engagiert er sich selbst als Wahlkampfhelfer und Beisitzer in Gremien.
Obwohl Thorsten Hoffmann sich zunächst nicht in der Rolle eines Politikers sieht, wird er 2004 in die Bezirksvertretung des Stadtbezirkes Hombruch und anschließend in den Rat der Stadt gewählt. „Ich habe gehalten, was ich versprochen habe. Mir ist kein Problem zu klein. Das kam gut an.“ erzählt Thorsten Hoffmann lachend. Parallel arbeitet er weiter in Vollzeit bei der Polizei – inzwischen seit über vierunddreißig Jahren.
„Meine Parteikollegen sagten anfangs oft Das kann der doch nicht machen. Das hält der nicht durch. Später hieß es Wenn, dann der, ergänzt er schmunzelnd. Im August 2013 folgt die Anfrage des Kreisvorstandes, ob er für den Bundestag kandidieren möchte mit den Worten:

„Du bist schon ein wenig anders. Das ist Deine Stärke.“

Nikita, Spike und Buffy, Foto: Thorsten Hoffmann

Nikita, Spike und Buffy, Foto: Thorsten Hoffmann

Seine Partnerin Anja, sein Sohn Ricardo, die beiden Pflegekinder Katharina und Peter, sowie die drei Hunde Nikita, Spike und Buffy unterstützen ihn im darauf folgenden anstrengenden, einjährigen Wahlkampf. Auf seinem Flyer steht: „Lernen Sie mich kennen, weil ich ein anderer Politiker bin.“ Die Arbeit zahlt sich aus. Seit Januar 2015 pendelt Thorsten Hoffmann als Bundestagsabgeordneter zwischen Dortmund und Berlin. „Das Gefühl, die Interessen der Dortmunder im Deutschen Bundestag zu vertreten, ist einzigartig und unbeschreiblich. Ich bin sehr stolz darauf, diese neue Aufgabe auszuüben“.
Seine Wünsche für die Zukunft: „Gesundheit und Zufriedenheit, gemeinsame Stunden mit meiner Familie und mit Freunden. Für alle Menschen wünsche ich mir Frieden, Geduld, weniger Egoismus und mehr Ehrlichkeit, anderseits aber auch, zu seinen Aussagen zu stehen und den zu Mut haben, Fehler einzuräumen, sowie auch mal einen anderen Weg zu probieren. Außerdem: Mehr lächelnde Gesichter. Und: Dass wir das Kind in uns immer bewahren, denn wenn das Kind im Menschen tot ist, ist auch der Mensch tot.“

Thorsten Hoffmann, Foto: Falko Wübbecke

Thorsten Hoffmann, Foto: Falko Wübbecke

Thorsten Hoffmanns Leitsatz, den er gerne mit auf den Weg gibt:
„Jeder kann auch im Kleinen etwas bewirken. Jeder muss nur damit anfangen.“

Weitere Infos unter http://www.thorsten-hoffmann.eu

Text: Annette Mertens
Fotos: Bettina Brökelschen, Falko Wübbeke, Thorsten Hoffmann

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37 Gedanken zu “„Du bist anders“ – der ungewöhnliche Werdegang eines polizeilichen Ermittlers

  1. Hey, u.a. in Recklinghausen aufgewachsen, ich habe 40 Jahre in Westerholt gelebt, nur 8 km davon weg. Da sind wir ab und zu zu Fuß hingegangen.
    Was für ein Werdegang!
    meine Anerkennung.
    Ja, im Kleinen achte ich auf Frieden und Freundlichkeit. Ich lächele auch fremde Leute an, ab und zu klappt es, und sie grüßen meist.
    Liebe Grüße Bärbel

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  2. Als wir uns noch mit unseren Rollern in dem Park trafen, nannten wir Polizisten „Bullen“ und hatten einen Hass auf sie, weil sie uns Strafzettel verteilten: Im Park darf man nicht fahren.

    Als ich dann meine erste eigene Wohnung hatte und diese plötzlich ohne meine teure Stereoanlage, ohne meinen PC und noch mehr Wertsachen, an welchen mein Herz hing, auf mich zukam durch die aufgebrochene Tür, fiel für mich eine Welt zusammen und ich rief die Polizei.

    Die Polizei nahm Spuren auf und versprach an dem Fall zu bleiben, aber ich zweifelte. Vier Wochen später konnte ich all meine Wertsachen auf dem Polizeirevier in OF abholen. Die Polizei hatte gute Arbeit geleistet und einen Serieneinbrecher lange observiert und so bekam ich meinen Besitz zurück, der leider nicht gegen Einbruch versichert war.

    Dadurch habe ich Respekt gelernt vor der Polizei. Mag sein, mancher ärgert sich über einen Strafzettel, aber was die Polizei wirklich leistet, oft verdeckt und unter Ausnutzung aller aufwändigen Möglichkeiten, wird oft unterschätzt. Die Polizei sorgt schon allein durch ihr Dasein für ein Klima der Sicherheit. Ich bin inzwischen ein Freund der Polizei. Und wer sich an die Gesetze hält, die uns allen dienen, muss keine Angst haben vor der Polizei.

    Die Polizei mag manchen abschrecken: Kontrollen, Drogen-Tests, Durchsuchungen des Wagens .. aber wenn du sie brauchst, sind sie da: Für jeden Bürger und sie helfen!

    LG 🙂

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  3. Hi Annette,
    wie die vorigen Portraits finde ich auch dieses wieder Klasse. Ich hoffe der Herr Hoffmann lässt sich nicht verbiegen und dass er seine Ideen erfolgreich einbringen kann. Bei seinen Wünschen für die Zukunft gefällt mir ganz besonders die Aussage „weniger Egoismus und mehr Ehrlichkeit“. Das ist ein Punkt an dem ich mich immer wieder wund reibe, denn zumindest in Luxemburg wo die Bevölkerung stark wächst ist eher das Gegenteil der Fall. Menschen wie Du und Herr Hoffmann sind mir sympathisch und nähren meinen Optimismus für die Zukunft.
    Liebe Grüsse,
    Gilles

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    • Hallo Gilles,
      danke 🙂
      Ich bin fest davon überzeugt, dass das Gute und die Liebe und damit eben auch die Ehrlichlichkeit und das Mitgefühl ihren Weg finden. Es mag an meiner Arbeit als Coach und an diesem Blog liegen, dem damit verbundenen Blick, doch bei mir entsteht der Eindruck, es werden immer mehr, die diese Werte für sich (wieder?) entdecken.
      Ich mag Luxemburg. Die wenigen Luxemburger, die ich bisher kennengelernt habe, sind sehr angenehme, warmherzige Menschen 🙂 Liebe Grüße, Annette

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  4. Ich wünsche ihm alles Liebe & Gute, damit er uns Dortmunder tatkräftig und autentisch in Berlin vertreten kann. Hoffentlich hält er sein „Andersein“ durch und muss sich nicht irgendwann doch dem politischen Diktat anpassen oder gar unterwerfen. Toi toi toi!
    Liebe Grüße
    Susanne

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  5. Ein guter Punkt, bei dem sich jedes Mitglied fragen kann bzw. muss, weshalb es im Verein ist, was es davon erwartet und was es bereit ist, neben dem Mitgliedsbeitrag, dafür zu leisten. Und umgekehrt: Was kann ein Verein von seinen Mitgliedern erwarten? Das ist übertragbar auf viele Situationen

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