Von Scheinheiligkeit keine Spur – ein Ausflug in die Nachbarschaft

Krefeld. Mit Bettina Janssens treffe ich mich in Essen. Sie lebt momentan in Krefeld. Der Niederrhein zählt zwar schon zur Nachbarschaft des Ruhrgebietes, doch Bettina finde ich so spannend, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte. Ihrer Arbeit geht sie überwiegend in Krefeld, Düsseldorf und Grevenbroich nach – noch.

Bettina Janssens, Foto: Blasius Maltzahn

Bettina Janssens, Foto: Blasius Maltzahn

Sport gehört von klein auf fest zu ihrem Leben: Bereits im Alter von drei Jahren beginnt sie mit dem Kunstturnen. Ihre Familie nennt sie damals oft „Träumerle“ – wenn ich sie so vor mir sehe, kann ich mir gut vorstellen, dass sie sich gerne an fantastische Orte träumt. Ab dem dreizehnten Lebensjahr beginnt sie mit Yoga.

Nach dem Fach-Abitur weiß die Achtzehnjährige nicht so recht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen soll. Um etwas zu machen, absolviert sie in Duisburg die Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Bettina arbeitet einige Jahre in diesem Bereich. Anfangs glaubt sie, ihr Widerwillen läge an der Firma. Sie wechselt in den öffentlichen Dienst.

Doch alles wird nur noch schlimmer

„Dort war man eine Nummer.“ erzählt Bettina, die ich mir in einem Amt überhaupt nicht vorstellen kann. Glücklich ist sie damit nicht. „Es gab viele Konflikte im Team. Nichts durfte sich ändern.“ fügt sie mit ihrer sanften Stimme kritisch hinzu.

Bettina Janssens, Foto: Martin Waldschenk

Bettina Janssens, Foto: Martin Waldschenk

Yoga nimmt immer noch einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein. Nebenbei lässt sie sich zur Yogalehrerin ausbilden. Eine berufliche Perspektive sieht sie darin nicht. Sie macht es für sich selbst.

Die berufliche Unzufriedenheit zermürbt Bettina immer mehr

Sie beendet ihren Job und orientiert sich neu. Ein guter Freund bringt sie auf die Idee, selbst Yoga zu unterrichten.

Yoga am Strand, Foto: Gabi Regli

Yoga am Strand, Foto: Gabi Regli

Begeistert von der Idee startet Bettina mit Hilfe eines Existenzgründerdarlehens in die Selbstständigkeit. Sie unterrichtet zunächst in Düsseldorf und Krefeld. Bald folgt Bettina ihrer Lieblingsidee: Sie leitet Yoga-Reisen für die Dauer von ein bis zwei Wochen. Letztes Jahr war sie mit ihren Yoga-Gruppen in Griechenland und Sri Lanka. Weitere Ziele befinden sich bereits in der Planung.

Aktuell sind ihre Kurse gut ausgelastet. Neben dieser Arbeit schreibt sie etwa zwanzig Stunden pro Woche für ihren, vor einem Jahr gegründeten, Blog „Oh my yogi„, den ich allen Yoga-Interessierten sehr empfehlen kann. Begeistert hat mich als selbst Praktizierende besonders ihr Beitrag „Was mich an Yogis nervt„.

„Und überhaupt, wer sagt denn, dass Yoga für jeden das Richtige ist?“

schreibt sie in ihrem Blog. Bettina zeichnet sich als langjährige Yogaexpertin dadurch aus, dass sie mit beiden Beinen auf der Erde steht. Sie zelebriert ihre Arbeit nicht. Sie lebt sie einfach, ohne das Getue, das dieser Szene leider oft anhaftet. Ihre Mission: „Keine scheinheilige Welt des Yoga darstellen, sondern eine kritische Haltung einnehmen.“

Yogalehrerin, Foto: Gabi Regli

Yogalehrerin, Foto: Gabi Regli

„Yogalehrer ist kein geschützter Begriff. Jeder darf sich so nennen. Das birgt Gefahr. Anfänger sollten sich daher vorab informieren, von wem sie sich unterrichten lassen.“ fügt Bettina ernst hinzu.

Yogalehrer verkaufen sich oft unter Wert

Ihre Wünsche für die Zukunft: Bettina plant, sich auf ihrem Blog in Zukunft mehr um Yogalehrer zu kümmern, die sich selbstständig machen wollen. „Ich möchte Informationen über Themen, wie Unterrichtsgestaltung, Steuern und Marketing vermitteln: ‚Wie komme ich an Jobs im Yoga-Bereich?‘ oder ‚Wie viel darf ich verdienen?‘, das sind Fragen, die mir von meinen Lesern oft gestellt werden. Darauf möchte ich eingehen und mehr Sicherheit schaffen.“ erklärt sie.

Arbeiten auf Reisen, Foto: Bettina Janssens

Arbeiten auf Reisen, Foto: Bettina Janssens

Neben den bereits bestehenden Yoga-Reisen, möchte Bettina länger unterwegs sein und überall auf der Welt Kurse anbieten. Als digitale Nomadin kann sie für ihren Blog sowieso an jedem Ort mit Internetzugang arbeiten.

Ihr Leitsatz, den sie anderen gerne mit auf den Weg gibt „Du hast die grenzenlose Freiheit, dein Leben ganz so zu gestalten, wie du es dir erträumst.“ Dafür stellt sich die freiheitsliebende 27-jährige regelmäßig die Frage „Bin ich glücklich, mit dem, was ich habe und wo ich bin?“ und fügt hinzu „Mir ist das Bewusstsein wichtig, dass ich selbst verantwortlich für mein Leben bin und niemand sonst.“

Weitere Infos unter http://www.ohmyyogi.de/

Text: Annette Mertens

Fotos: Blasius Maltzahn von http://www.thehappygangstas.de, Bettina Janssens, Gabi Regli, Martin Waldschenk

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Von Scheinheiligkeit keine Spur – ein Ausflug in die Nachbarschaft

37 Gedanken zu “Von Scheinheiligkeit keine Spur – ein Ausflug in die Nachbarschaft

  1. Pingback: Pause, denn die Welt geht nicht unter, wenn… | Ruhrköpfe

  2. Lass dich in dein Leben fallen und vertraue darauf, dass es dir das Beste gibt! Ich beneide Menschen, die sich ihren Träumen hingeben können. Deine Reportagen sind so toll, liebe Annette! Es ist immer wieder eine Freude sie zu lesen.
    Alles Liebe, Emily

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  3. Yoga ist schon lange ein Teil meines Lebens und auch ich habe über eine 2-jährige Yoga-Lehrerausbildung nachgedacht, mich dann dagegen entschieden, was aus körperlicher Sicht richtig war. Ich freue mich immer, wenn ich Yoga-Unterrichtende treffe, die ähnlich wie Bettina denken. Früher waren es meist etwas abgehobene „Gurus“, heute finde ich immer mehr Yogis, die mit beiden Beinen im Leben stehen und auch uns West-Europäern ein wunderbares Yoga vermitteln können. Wobei für mich Yoga nicht nur der sportliche Teil ist, was zur Zeit auch von vielen nur angesprochen wird, denn da gehört die Meditation, das Mantrasingen und auch die Lektüre alter Texte für mich mit zu.
    LG Marlies

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  4. Liebe Annette, wieder einmal stellst Du uns einen interessanten Menschen vor. „Yoga ist nicht für jeden das Richtige“, das gefällt mir sehr aus dem Mund einer Yogalehrerin. Erstaunlicherweise ist Yoga etwas für mich, wenn ich ausgeglichen bin, wenn ich gestresst bin, mag ich kein Yoga. Eine Bekannte von mir hat gerade einen ähnlichen Werdegang hinter sich, von einer Bankkauffrau zur Yogalehrerin. Ich werde ihr den Link geben.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

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  5. Liebe Annette,

    sehr schöner Artikel. Ich kenne diesen beruflichen Wandel ganz genau und wünsche ihr viel Erfolg! Ich selbst bin Trainerin in dieser Branche und weiß, dass die Frage nach dem Wert eine sehr interessante ist. Ich habe zusätzlich eine Festanstellung für 18 Stunden gewählt und finde diese Kombination sehr ideal.

    Liebe Grüße
    Tine

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  6. Klasse Artikel mit vielen Denkanstößen über eine sehr interessante Frau. Auf Heiligkeit/Scheinheiligkeit wäre ich bei Yoga nie gekommen, aber es ist ohne Zweifel gut, dass du es erst gar nicht in diese Ecke rutschen lässt.
    (Kaffee? Keks?)
    Schönen Sonntag dir, Christiane

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  7. Das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung nimmt in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr zu. Deshalb glaube ich, dass Yoga eine gute Basis dafür ist. Und dafür braucht es geschulte Leute, die dieses Wissen richtig weitergeben.
    Danke für diese Vorstellung und die Links.

    Hab einen schönen Frauentag.
    LG Anna-Lena

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