„Ohne Glück geht es nicht“
Aus dem Leben eines Umtriebigen

Der gebürtige Dortmunder Carsten Bülow wächst im damals sehr ländlich geprägten, südwestlichen Stadtteil Oespel auf. Früh entdeckt er seine Liebe zur Literatur: „Ich las eigentlich ständig, manchmal mehrere Bücher gleichzeitig“. Bereits in der Schulzeit zeichnet sich ein Hang zu Schauspiel und Theater ab. Mit der Weihnachtsgeschichte steht er als Jugendlicher zum ersten Mal auf der Bühne – ganz ohne Lampenfieber.

Carsten als Country Sänger in "Die Geister die ich rief" Schauspiel Dortmund - Regie: Manuel Harder , Foto Maximilian Jauck

Carsten als Country Sänger in „Die Geister, die ich rief“ Schauspiel Dortmund – Regie: Manuel Harder , Foto Maximilian Jauck

Obwohl ihn die Schauspielerei begeistert, absolviert er nach seinem Schulabschluss zunächst die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.

„Im Herzen ein Händler, lockte mich der soziale Bereich“

Carsten als Charles Dickens in „Eine Weihnachtsgeschichte“ , Regie: Carsten Bülow, Foto: Andrea Seifert

Der vielseitig interessierte junge Dortmunder zieht weiter und entscheidet sich für eine anthroposophisch orientierte Ausbildung zum Altenpfleger. Mit kleinen Unterbrechungen arbeitet er viele Jahre in diesem Bereich. „Ich bin ein umtriebiger Mensch“, sagt er. Carsten probiert viel aus und macht sich selbstständig: Vom An- und Verkauf für Tonträger bis zur eigenen Kneipe. Nebenbei lebt er seine Leidenschaft für Musik in einer Rockband: „Da ich kein Instrument beherrschte, nahm ich das Mikro und wurde Sänger“, fügt er lachend hinzu.

In Carsten steckt eine „Rampensau“

Carsten, Foto: Ulrich Haake

Über Bekannte entdeckt er die Theaterbühne für sich. „Literatur und Sprache. Mir fliegt das einfach zu“, ergänzt er. Lampenfieber kennt der sympathische Dortmunder bis heute nicht: „Gott sei Dank, sonst könnte ich diesen Job gar nicht machen“.

Um sein Talent zu fördern, besucht er privaten Schauspielunterricht und startet als Rezitator für Goethe-Lesungen.

Inzwischen arbeitet Carsten seit etwa siebzehn Jahren als freiberuflicher Schauspieler und Rezitator unter anderem am Dortmunder Stadttheater. Er tritt bundesweit auf vielen Bühnen auf und tourt mit seinen wechselnden Klassikern weltweit auf den Fünf-Sterne-Schiffen der Hapag-Lloyd. Auf der MS Europa genießt er mit seinen Auftritten seit fünf Jahren regelmäßig den Gaststatus auf der „schönsten Yacht der Welt“.

Zwei, drei Mal pro Jahr für zwei bis drei Wochen auf See

Als Lunik der Mondelb im „Wundervollen Burghauser Adventskalender“, Regie: Mario Eick, Foto: Robert Banfic

„Es ist immer eine schöne Zeit mit einer hochprofessionellen Crew und netten Kollegen, die ihren Job mit viel Herzblut ausüben. Durch die Reisen lerne ich viele sympathische und interessante Menschen kennen. Daraus entstehen laufend neue Kontakte und Projekte“.

Der praktizierende Nichiren-Buddhist lebt heute im Dortmunder Kreuzviertel

„Mit der Ausübung meines Glaubens möchte ich positiv auf meine Umgebung einwirken“. Der Respekt vor der Würde des Lebens steht bei Nichiren im Vordergrund. Es geht um Ursache und Wirkung: Alles, was wir in Gedanken, Worten und Taten zum Ausdruck bringen, zieht eine Wirkung in unserem Leben und unserer Umgebung nach sich. Das Ziel soll eine Werte schaffende Gesellschaft und der damit verbundene Weltfrieden sein“.

Als Tod im „Jedermann“, Regie: Mario Eick, Foto: Jörg Eschenfelder

Musik spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle. Carsten singt immer noch gern: Rock, Rock ’n‘ Roll, Blues, Country oder auch abgefahrene deutsche Schlager aus den 50er/60er-Jahren. Außerdem ist er ein großer Anhänger von Laurel und Hardy. „Loser und Bösewichter faszinieren mich mehr als Helden und Schönlinge, abgesehen von John Wayne und Hans Albers“, schreibt er auf seiner Website.

Carstens Wünsche für die Zukunft: „Wir müssen uns aus dem Materialismus befreien, um in der Menschheitsgeschichte weiter zu kommen. Außerdem wünsche ich mir, weiterhin die Freiheit, künstlerisch das zu tun, was ich tun möchte. Ohne Glück geht das ja nicht“.

Weitere Infos und Termine unter http://carsten-bülow.de

Text: Annette Mertens

Fotos: Maximilian Jauck, Andrea Seifert, Ulrich Haake, Robert Banfic, Jörg Eschenfelder

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Nichts bleibt ohne Folgen

61 Gedanken zu “Nichts bleibt ohne Folgen

  1. Ein sehr schöner, tiefsinniger Bericht über einen sehr interessanten Mann!
    „Umtriebig“ ist ein tolles Wort für Menschen, die nicht stehen bleiben, sich nicht ausruhen auf dem, was sie erreicht haben, das sind die, die andere mitreißen, motivieren …… Ich liebe solche Menschen, auch weil ich ein wenig so bin, natürlich nicht im Rampenlicht, aber so wurde ich auch schon bezeichnet und manchmal muss man mich geradzu stoppen. Na ja, jetzt bin ich ja auch ein wenig ruhiger geworden mit den Jahren, dafür hat mich jetzt die Reiselust so richtig gepackt und da ist es gut, dass „meine bessere Hälfte“ mein ruhender Pol ist.

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  2. Sehr interessantes Portrait, danke. Mir wurde ein wenig schwindelig beim Lesen. So viel Bewegung und Veränderung in einem Leben! Als ob er auch im Leben ein Schauspieler wäre, der die Rollen wechselt, wie er mag und kann. Und wenn ihm eine gute Rolle zufällt: nichts wie ran. Es ist bemerkenswert, wenn über all dem Rollenspiel das Ich nicht verloren geht, sondern sich immer mehr erweitert.
    Liebe Grüße! Gerda

    Gefällt 1 Person

  3. Es ist schön, von Menschen zu lesen, die ihrem inneren Drang, der latenten, sich immer wieder einmal in Erinnerung bringenden Sehnsucht nach dem, was man wirklich tun möchte, wie hier die Schauspielerei zum Beruf zu machen, folgen. Das ist im wahren Wortsinne „Berufung“ und macht bestimmt sehr glücklich.
    Schöne (F)einertage!
    Lo

    Gefällt 2 Personen

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