Alles auf Anfang  – „Wenn einen etwas stört, muss man aktiv werden

„Brillen-Sabine“, Foto: Sabine Schwalbert/privat

Nach ihrem Realschulabschluss möchte Sabine Schwalbert Bibliothekarin oder Fotografin werden. Sie zählt zum Jahrgang der Baby-Boomer und absolviert statt dessen – trotz Pollen-Allergie und Rückenproblem,  eine Ausbildung zur Gärtnerin. Nach ihrer Gesellen-Prüfung steht fest, dass sie in diesem Beruf nicht bleiben möchte.

Sie holt auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nach

Sabine Schwalbert, Foto: Andreas Schröter

In der Folge schreibt sie sich für Sinologie und Orientalistik ein, studiert später vier Semester Innenarchitektur in Wuppertal. Weil ihr das alles zu verschult ist, wechselt sie zur Universität Bochum, um dort letztlich in den Fächern Kunstgeschichte, Film- und Fernsehwissenschaften und Anglistik ihre Abschlüsse zu machen. Im Alter von 35 Jahren beendet die Dortmunderin erfolgreich ihr Studium, das sie überwiegend mit einer Nebentätigkeit bei einer großen Blumenmarktkette finanzierte.

Sabine arbeitet weitere anderthalb Jahre als Floristin in einem Blumenladen, bis sie vor etwa zwanzig Jahren eher zufällig beim „Stadt-Anzeiger“, einem lokalen Anzeigenblatt, als freie Mitarbeiterin beginnt.

„Ich bin oft gelandet, wo ich gar nicht hin wollte. Diese Umwege waren immer genau richtig und machten Spaß, obwohl es mich vorher nie interessiert hat“

Kurz darauf ergibt sich für sie die Möglichkeit, parallel beim WDR für verschiedene Internet-Redaktionen zu arbeiten. Außerdem düst sie kurze Zeit als Event-Reporterin durch Dortmund und dreht kleine Filme über interessante Locations unserer Stadt.

Sabine lernt in dieser Zeit ihren späteren Mann kennen, wird schwanger und bringt vor vierzehneinhalb Jahren ihre Tochter Jana auf die Welt.

Der Sender kürzt die finanziellen Mittel von Jahr zu Jahr mehr

Altes Museum am Ostwall, Foto: Sabine Schwalbert/privat

Nach fünfzehn Jahren beendet die freiberuflich tätige Journalistin daher kürzlich ihre Arbeit für den WDR. Während dieser Zeit arbeitete sie außerdem an einem Krimi, den sie irgendwann einmal veröffentlichen möchte.

Nach der Zeit beim Sender wechselt die quirlige Dortmunderin nahtlos auf eine Stelle als Integrationsbegleiterin an eine Dortmunder Grundschule und unterstützt dort einen beeinträchtigten Jungen im Unterricht. Parallel arbeitet sie freiberuflich weiter für den „Stadt-Anzeiger“. Das klappt gut, weil sie sich die Zeit dafür meist selbst einteilen kann.

„Mein Leben besteht aus Soll-Bruch-Stellen

Sabine verändert sich nicht nur beruflich: Vor einigen Monaten trennt sie sich von ihrem Mann und zieht mit ihrer Tochter in eine neue Wohnung. „Ich fing fast wieder bei Null an“, erzählt Sabine und bereut keine dieser Entscheidungen.

„Ich weiß, ich schaffe das“

Neben ihrer Tochter und den vielen verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, liegt ihr der Erhalt der wenigen in Dortmund vorhandenen alten Gebäude am Herzen.

„In Dortmund wurden schon zu viele Gebäude großflächig platt gemacht“

Sie gründet gemeinsam mit einigen anderen DortmunderInnen den Verein „Ostwall 7 bleibt“  und rettet mit viel Unterstützung der Bevölkerung das architektonisch bedeutsame Gebäude des alten Museums am Ostwall in der Dortmunder City quasi in letzter Minute vor dem Abriss.

Vorstand „Ostwall 7 bleibt“: v .l. Olaf Greve, 2. Vors. und Jürgen Heester, Schatzmeister, Mitte Sabine, Foto: Sabine Schwalbert/privat

Sabine gehört zu den wenigen Ruhrköpfen, die ich bereits seit einigen Jahren persönlich kenne. Auf meine Frage, woher sie die Kraft nimmt, all diese Projekte zu stemmen, antwortet sie: „Ich bin wie mein Sternzeichen: Ein Stier. Ich bleibe dran, bin ausdauernd und entwickle daraus immer wieder neue Kraft – besonders durch die kleinen Erfolgserlebnisse zwischendurch“.

„Selbst aussichtslose Situationen können klappen, wenn man dran bleibt“

Bei diesem Thema ist sie Feuer und Flamme: „Mich ärgert ganz vieles und vielleicht muss ich doch noch in die Politik gehen – ich hab‘ ja noch Zeit“, erzählt sie lachend. „Ich bin insgesamt selbstbewusster und gelassener geworden. Mir geben diese Erfahrungen eine gewisse Souveränität, dass man das alles schaffen kann. Daher begegne ich neuen Lebensabschnitten mit frischem Schwung und angenehmer Aufregung“.

Foto: Sabine Schwalbert/privat

Das aktuelle Projekt, an dem sie außerdem noch mitwirkt: Der Förderkreis zum Erhalt und zur kulturellen Nutzung von Haus Wenge im Dortmunder Stadtteil Lanstrop. Es ist das einzige erhaltene Adelshaus des 16. Jahrhunderts mit gotischen Formen im Raum Dortmund.

Familie Schwalbert kommt auf den Hund

Chad als Salatputzer, Foto: Sabine Schwalbert/privat

Auf langjährigen Wunsch der Tochter teilen Sabine und Jana seit November vorigen Jahres ihr Leben mit einem kleinen Wollknäuel namens Chad – ein so genannter Zypern-Pudel, eine Mischung aus Pudel und Terrier, der von Sabine, neben ihren Projekten, den wohlverdienten und wichtigen Auslauf fördert und fordert 😉

Sabines Träume für die Zukunft: Reisen, besonderes Interesse gilt England, Irland und anderen europäische Ländern. Und irgendwann vielleicht ein 5oer-Jahre-Café eröffnen, denn sie begeistert sich für die Musik, die Kleidung und den Lebensstil dieser Zeit. „Ansonsten darf alles so weitergehen wie bisher, Hauptsache meinem Kind geht es gut und meine Projekte entwickeln sich so gut wie bisher“.

Chad, der „Flokati-Hund“, Foto: Sabine Schwalbert/privat

Was ihr besonders am Herzen liegt und sie gerne mit auf den Weg geben möchte: „Es lohnt sich, sich für etwas einzusetzen und sich politisch zu engagieren. Nur so lässt sich etwas erreichen und zwar leichter als gedacht, egal, ob parteilos oder innerhalb einer Partei“.

Weitere Infos findet ihr, sofern ihr über ein eigenes Profil bei Facebook verfügt, unter Facebook/Sabine Schwalbert

Text: Annette Mertens

Fotos: Andreas Schröter, Sabine Schwalbert/privat

Foto: Sabine Schwalbert/privat

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Alles auf Anfang

49 Gedanken zu “Alles auf Anfang

  1. Ein beeindruckender Werdegang einer Frau, die gute Nerven haben muss. In Ulm hat sich eine Initiative gegründet, die der Politikverdrossenheit entgegenwirken will und Themen so aufbereiten will, das die Allgemeinheit versteht. Bürgerimpulse. Vielleicht wäre das eine kopierbare Idee für Dortmund.

    Gefällt 1 Person

  2. Diese Biografie ist so wechselhaft wie das Wetter. Ich bewundere Menschen, die nicht festgefahren sind und flexibel bleiben. Allerdings muss man dazu schon sehr geerdet sein und ist Sabine offensichtlich.
    Eine interessante Persönlichkeit!

    Lieben Gruß
    Anna-Lena

    Gefällt 6 Personen

  3. Sie beeindruckt mich, deine Sabine, und ich freue mich, dass du uns in gewohnt professioneller Ruhrköpfe-Manier ein bisschen von ihrer Lebensgeschichte zugänglich gemacht hast. Lachen musste ich allerdings noch mehr über die Bilder des Flokati-Hundes und das verfremdete Zitat 😉
    Lachende Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

    • danke dir, liebe Christiane, freut mich sehr und ich hoffe, Dortmund bringt noch mehr solch wunderbar-friedlich-rebellische Persönlichkeiten wie Sabine hervor. Liebe Grüße, Annette
      P.S. der „Flokati-Hund“ mußte einfach mit ins Portrait:-D

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Annette!

    Ein sehr schöner Beitrag über Frau Schwalbert, deren Ansichten und Einstellung ich voll teilen kann. Hut ab vor ihrem bisherigen Lebensweg. Ich wünsche Ihr und Ihrer Familie, dass sie ihre Ziele erreicht und danke Dir für diesen wunderbaren Einblick in Deine Ruhrkopf-Sparte 🙂

    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 5 Personen

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