[fotoˈɡraːf] – Wenn aus Leidenschaft Berufung wird

Er ist der erste „Ruhrkopf“, den ich schon mein halbes Leben kenne. Wir wohnen in der selben Stadt. Wir benutzen manchmal, ohne es zu wissen, dieselben Wege. Ja, wir kennen sogar ein paar Menschen gemeinsam. Und doch mussten bis vor einigen Monaten viele Jahre vergehen, bis wir uns wieder häufiger sehen. Es ist einerseits das Vertrauen und die Vertrautheit, die uns nach so vielen Jahren verbindet. Andererseits ist es das Gefühl, der/die andere hat die Zeit gut genutzt, um eine noch bessere Version seiner/ihrer selbst zu werden. Es tut einfach gut. Es ist ein Spiegel, der uns zeigt, wie wir uns entwickelt haben und wir unseren Idealen treu geblieben sind. Und wir haben uns immer noch jede Menge zu erzählen. Die Rede ist von einem Menschen, den ich kürzlich bereits angekündigt habe und mir viel bedeutet: Michael Krämer

Ankommen, Foto: Michael Krämer

Als Kind möchte Michael erst Astronaut, später Zahnarzt werden – bis es im Zahnarztstuhl zu den ersten persönlichen Begegnungen mit den weißen Kitteln kommt.

„Ein Fotograf ist ein Jäger“

Noch vor seiner Einschulung fotografiert er viel mit der Kamera seines Vaters. Es macht ihm Spaß, die verschiedenen Einstellungen zu probieren. Irgendwann hat Michael die erste Pocket-Kamera. Doch das Interesse verblasst während der Schulzeit.

„Mit Beginn meiner Punk-Phase wurde Fotografieren total uncool“

Überhaupt ist unklar, welchen beruflichen Weg Michael einschlagen soll. Der Berufsberater rät ihm: „Werden Sie Maurer oder Dachdecker! Da habe ich viele freie Lehrstellen. Fotograf können Sie eh vergessen. Dafür brauchen Sie Beziehungen“.

Wildwechsel, Foto: Michael Krämer

Einer seiner Punk-Kollegen ist Koch. Michael kocht gerne. Doch in einem Vorstellungsgespräch wird ihm eindrücklich ans Herz gelegt sich diese Berufswahl gut zu überlegen, denn:

„Die Arbeitszeiten sind mies, die Bedingungen schwierig“

Und so entscheidet er sich dagegen. „Mein erstes Gemüsebeet hatte ich als Fünfjähriger“, erzählt Michael. „Gartenarbeit hat mir als Kind schon Spaß gemacht und da eine Ausbildung zum Dachdecker oder Maurer völlig indiskutabel war, entschloss ich mich zu einer Ausbildung zum Gärtner“.

Der Traum, Gärten zu gestalten und Pflanzungen zu setzen, zerplatzt wie eine Seifenblase. Die Realität bedeutet: Jede Menge Wege pflastern und Randsteine setzen. Pflanzen finden nur im theoretischen Teil der Ausbildung einen Platz. Es ist ein körperlicher Hardcore-Job, den nur wenige gesundheitlich ein Leben lang durchhalten.

Back to the roots

Michael entschließt sich, nach der Ausbildung das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. In dieser Zeit lernen wir uns kennen. Eine Zeitlang sind wir ein Paar. Frisch Verliebte fotografieren sich gerne und so entdeckt Michael das Fotografieren erneut für sich und absolviert nach dem Fachabitur das Studium Visuelle Kommunikation als Diplom-Foto-/Film-Designer an der Fachhochschule Dortmund.

Michael vor dem Studium Foto: Annette Mertens

„Die Idee des Fotografierens war nie ganz weg. Du hast mich damals daran erinnert, als wieder die Frage nach der Berufswahl im Raum stand“, erzählt er mir und womöglich stellt es das erste Puzzle-Teil auf meinem späteren Berufsweg zum Systemischen Coach dar.

Die Leidenschaft für das Fotografieren lässt ihn nicht mehr los

Sie ist in jedem Gespräch mit ihm darüber deutlich spürbar: „Ich wollte es immer anders machen. Im Griechischen bedeutet ‚Photo-Graphie‘ ursprünglich, mit Licht malen.  Ein  Bild erzählt einen ganzen Film. Die Motive, wie z. B. bei ‚Wald-Wege‘ sind oft statisch. Erst durch die Kamerabewegung werden sie lebendig“.

Natur , Foto: Micheal Krämer

aus Bertelsmann Fremdwörterlexikon: 
photo, griechisch phõs (Genitiv: phōtós) = Licht 
und graph, griechisch gráphein = schreiben, zeichnen 

Neben der Fotografie und der Natur zählt seit einigen Jahren das Schreiben zu Michaels Leidenschaften. ‚Vereinsamt‘ von Friedrich Nietzsche beeindruckt ihn – neben Werken von William Blake oder Edgar Allan Poe – so intensiv, dass es ihn seither selbst zum Schreiben inspiriert:

Feldberg im Taunus für „Die Weiße Mauer“ Foto: Michael Krämer

Die Weiße Mauer

 

Die weiße Mauer erhellt von der Sonne in silbrigem Glanz,

wenn das Licht am Nachmittag sie trifft.

 

Von Norden her kommend leuchtet sie dich an

und zieht einen in ihren Bann.

Steil bergauf führt der Weg nach oben.

Blätter und Nadeln führen dich zu ihr.

 

Zwischen Steinen und Geröll ein Tanz,

wo dich eine alte Eiche grüßt

bist du oben angekommen.

Sich offenbart eine Aussicht vom Berg,

der ein Teil von mir geworden ist. 

©Michael Krämer

Michaels Wünsche und Träume für die Zukunft:

„Von meinem Beruf und meiner Kunst gut leben können, meine Gartenarbeit als Ausgleich dazu und natürlich als Fotograf noch bekannter werden“.

Der Fotograf Foto: Michael Krämer

Sein Lebensmotto:

„Nicht das Sensationelle ist es, das mich interessiert; sondern das Faszinierende, das einem begegnet, wenn man sich des Augenblicks bewusst wird. Es ist das Detail, das mit einem mal zu wachsen beginnt“.

Seine Schwerpunkte als Fotograf:

Selbstporträt, Foto: Michael Krämer

Event Fotografie – Reportage Fotografie – Produkt Fotografie – Objekt Fotografie – Hunde-Outdoor-Shooting/Tier-Shooting – Date-Shooting/Profil-Shooting und  Fotoworkshops

Weitere Infos findet ihr unter http://www.michael-kraemer.net

Text: Annette Mertens

Fotos: Michael Krämer + zwei ältere Portraits: Annette Mertens

Gedicht: Michael Krämer

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[fotoˈɡraːf]

85 Gedanken zu “[fotoˈɡraːf]

  1. Neugierig geworden durch die Portraitfotos bin ich hier gelandet. Beeindruckend die Fotos, liebevoll das Portrait, ermutigend der Lebenslauf von Michael, dem ich auf diesem Wege wünsche, dass seine Sichtweise der Dinge als Fotograf ausreichend anerkannt wird und er sich zwecks Broterwerb nicht verbiegen muss.Liebe Grüße! Gerda

    Gefällt 2 Personen

    • Guten Morgen,
      Ich bin eine späte Entdeckerin Deines blogs. Ich schließe mich den allgemeinen Wünschen für Michael auf jeden Fall an. Auch das Gedicht gefällt mir gut. Man wird wirklich ein Teil vom Berg indem man ihn betritt. Nicht nur der Mensch findet seinen Ort, es ist genauso umgekehrt, oder? Wie lustig, dass ich ebenfalls einen Dortmunder Fotokünstlerfreund namens Michael habe.
      Einen lieben Gruß aus dem Teutoburger Wald von der Karfunkelfee ✨

      Gefällt 1 Person

        • Liebe Annette,
          Wenn ein Gedicht in Dir weiter wirken kann, ist es genau das richtige Gedicht für dich. Ich habe auch so welche. Allerdings kann ich sie mir nicht so gut merken. Der Name Michael ist ein schöner und klangvoller. vielleicht taucht er deshalb so oft auf?
          Liebe Grüße von der Fee ✨

          Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Outtakes finde ich einfach lustiger | Ruhrköpfe

  3. und … hat Michael Krämer das neue Foto gemacht, weil er die „Ruhrköpfin“ so gut kennt und die Persönlichkeit so gut herausarbeiten kann?
    Auf alle Fälle ein schönes Foto, denn die Zeit geht ins Land und manchmal glaubt man dann, dass das vorherige Foto nicht mehr so unbedingt die Jetztsituation widerspiegelt.
    Na denn.

    🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Ein sehr schönes Porträt und ein Lebensweg, der inspiriert und Mut macht. Immer wieder interessant, daß Wege oft nicht so geradlinig sind, wie man das früher mal ‚gelernt‘ hat (ich mache ne Ausbildung und dann arbeite ich 40 Jahre in dem Beruf….;-) Die Fotos sind sehr sehr schön ! Toll, daß er dorthin zurückgefunden hat, zur Fotografie.

    Gefällt 1 Person

  5. Sehr sympathisch, dein Bericht, eure Gemeinsamkeiten und Entwicklungen und Michael. Es ist immer wieder verwunderlich, welche Wege man geht und wo sie sich immer wieder mit wichtigen anderen Menschen kreuzen.

    Mit liebem Gruß
    Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  6. Ein schönes Portrait des „Lichtmalers“ zeichnest du da! Und dass du da etwas von der Initialzündung geliefert hast, ist spannend! Na, dann wünsche ich dem Herrn Photografen einfach viel Glück ! Du zeigst ja schon einige bemerkenswerte Bilder von ihm! Liebe Grüße, Petra

    Gefällt 1 Person

  7. Da isser ja …

    Zumindest hat der „Namenszwilling“ jetzt auch mit Fotografie, die vom Herzen kommt zu tun 🙂

    Ich glaube ja fest daran, dass alles im Leben einen Sinn hat. Die 80-ger Jahre waren keine gute Zeit sich eine passende Ausbildung aussuchen zu können – es gab so viele, die damals auf der Strecke blieben und ihre Herzenswünsche nicht umsetzen konnten. UMwege? UMwege hört sich immer so falsch an. Es sind einfach andere Wege – jeder tut so als wäre der direkte Weg besser – vielleicht hätte da ja was im Weg gestanden? Michael ist SEINEN Weg gegangen und konnte bestimmt auch von seiner ersten Ausbildung was mitnehmen.

    Das Lesen von Geschichten/Gedichten ruft Bilder in uns hervor – Das Betrachten von Bildern lässt Geschichten entstehen. Er kann sowohl die eine, als auch die andere Richtung 🙂

    Das Bild mit dem Waldweg habe ich erst nach dem Besuch der Internetseite verstanden 🙂 Waldwege, die mit Kamerabewegung gemalt werden geben der Fantasie noch mehr Raum. Ich liebe ja gerade diese Bilder auch sehr.

    Lieber Michael – ich wünsche Dir, dass Du Deinen Traumberuf noch lange machen und davon auch gut leben kannst Ebenso wünsche ich Dir, dass auch Dein Garten wächst und gedeiht und Du genügend freie Zeit hast den Garten zu genießen! Durch Deinen Weg bringst Du jetzt die besten Voraussetzungen für beides mit – das hat auch nicht jeder! 🙂

    Ein tolles Portrait Annette – sehr schön geschrieben.

    Liebe Grüße
    Birgit

    Gefällt 1 Person

  8. Liebe Annette. Ein tolles Porträt über jemanden den du lange nicht gesehen hast. Diese Irrwege bis zum eigentlichen Beruf klangen spannend. Viele machen einfach irgend etwas nur um einen Job zu haben. Oder lassen sich rein quatschen von Leuten die meinen Ahnung zu haben. Wenn ich früher bekommen hätte was ich wollte, wäre mein Leben bestimmt auch anders verlaufen. So ist es halt, mit dem Leben.

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  9. …Fotos für Naturliebhaber und solche, die es werden wollen…echt toll!

    …ich denke, viele Menschen gehen Umwege, die weiterführen und wichtig sind, um ans Ziel zu kommen…der direkte Weg lässt einen das Ziel womöglich nicht erreichen…

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  10. Liebe Annette, eines zeigt mir dein sehr persönlicher Eiblick ganz deutlich. Nur den wenigsten jungen Menschen gelingt es ihre berufliche Wahl bereits während der Schulzeit festzulegen, weshalb ich unser Schulsystem generell in Frage stelle. Ich habe mich als Jugendlich ebenfalls nicht getraut einem meiner künstlerischen Neigungen nachzugeben, um daraus den Lebensunterhalt zu generieren. Gut, dass ihr es geschafft habt, denn je älter man/ frau wird desto schwerer wird es die eingetretenen und funktionierenden Pfade zu verlassen, deshalb wünsche ich euch beiden viel Erfolg!

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    • Hallo lieber Arno, beim Schreiben habe ich tatsächlich öfter an dich gedacht: Dieser Mix aus Schreiben, Fotografieren, Kochen 🙂
      Unser Schulsystem halte ich auch für äußerst überholungsbedürftig. Es schafft mehr Probleme als etwas zu schaffen…
      Vielen Dank für deinen Besuch und deinen lieben Kommentar, Annette

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  11. Erneut ein sehr eindrucksvoller Bericht über Umwege, die eigentlich das Leben selbst sind. Weil sie uns oft erst zu dem machen, was wir als Mensch in unserem Inneren wirklich sind. Dann, wenn alle Erwartungen, Zwänge, Fesseln endlich abgesprungen sind.
    Mich faszinieren am meisten die Reflexionen. Bin die Frau, die jedem Kind und Enkel einmal im Leben ein Kaleidoskop schenkt und sich in schwierigen Situationen ganz fest die Finger auf die Augen drückt, bis die ständig wechselnden Muster erscheinen, die mich zurück bringen.

    Gefällt 3 Personen

  12. Wow wundervolle Fotos, dass mit dem Schmetterling und dem Hochsitz finde ich Wahnsinn, auch das Waldfoto…
    Ganz toll, da könnte ich gleich paar Zeilen darauf schreiben. Ein schönes Wochenende für Dich Annette und für den Fotografen. 😊👍🍀☀️

    Gefällt 3 Personen

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