Kannst du gut zuhören?

Wartest du ungeduldig darauf,  selbst zu Wort zu kommen?

Kannst du deinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit schenken oder möchtest du sofort auf das Gehörte reagieren?

Lässt du dich beim Zuhören ablenken?

Bist du offen und neugierig auf das, was dein Gegenüber dir erzählt?

Hältst du dich mit Bewertungen/Beurteilungen zurück?

Stellst du Fragen zum Gehörten?

Bist du geduldig beim Zuhören?

Quatscht du schnell dazwischen?

Wie gehst du mit einseitigen, endlosen Monologen um, denn gutes Zuhören bedeutet nicht, sich endlos zutexten zu lassen?

Erkennst du deine Kapazitätsgrenze beim Zuhören und sorgst du für dich, wenn deine Aufmerksamkeit nachlässt?

Mallorquinische Schafe, Foto: Annette Mertens

Wie gut hörst du zu?

67 Gedanken zu “Wie gut hörst du zu?

  1. Das sind viele Kommentare… mag sein, dass das schon wo steht:
    mir geht es so und ich denke, da bin ich nicht allein: meine Zuhörerqualitäten schwanken stark nach Tagesform. Oft genug ertappe ich mich dabei, dass ich nur höre, was ich hören will und kann, was zu meiner eigenen Stimmungslage paßt. Und dass ich genau dann ungeduldig werde, wenn mein Gegenüber von etwas redet, das in meine Gegenwart überhaupt nicht reinpaßt.
    Das ist besonders auch im professionellen Kontext gar nicht gut, aber dafür menschlich. Ja, sicher, ich weiß es ja und kann einigermaßen damit umgehen. Bilde mir sogar ein, dass ich auch im Kollegenkreis als besonnener Gesprächspartner (wie’s drinnen aussieht geht keinen was an) gelte, der oft gut die kritischen Punkte erkennt und herausarbeitet – ich selbst bin da wesentlich vorsichtiger als auch unsicherer. Da ich ja weiß, mit welchen Gedanken im Hintergrund ich die läppischen oder großen, die nebensächlichen und existenzbedrohenden Sorgen des Anderen höre und filtere.
    Und auch im privaten Kreis ist das nicht immer passend, wenn ich gedanklich gerade (schon) wieder ganz wo anders bin…
    Wie gesagt, ich denke, Zuhören, richtig zuhören hat auch mit eigener Stimmung, eigenen Sorgen zu tun. Und manchmal – ob in der einen oder anderen Gesprächskonstellation – ist es sogar gut, man schafft es, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen: schön, dein Thema. Aber leider oder gottseidank gerade nicht meins! Sprich lieber mit oder zu jemandem, der gerade selbst in so einer Situation ist oder der sich mit sowas auskennt. Das kann sogar gut sein, zumindest wenn man eine Idee hat, zu wem man den Erzähler schickt anstatt ihn im Regen seiner Rede stehen zu lassen.
    Das Schlimme ist: gerade, wenn man kein guter Zuhörer ist, selbst gedanklich abdriftet, keine Energie hat, dann hat man auch die nicht, dem anderen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen: dein Kind benimmt sich schlecht? Ich lebe gerade in Scheidung! Dein Auto hat einen Kratzer? Mein Keller ist gerade voll Wasser gelaufen! In deinem schönen Garten brüten allerliebste Vögelchen? Ich heirate nächste Woche! Dein Fußballverein hat 2:1 gewonnen, und das gegen einen starken Gegner? Meine Chemo war, sagt der Arzt, erfolgreich!
    Und, in der Quintessenz: darum hab ich grad keinen Kopf und kein Ohr für dich.

    Liken

  2. Ach. Das kommt so auf die Tagesform an, auf die Situation, auf die Person, die mir gegenübersitzt oder steht. Es gibt Momente, da möchte ich mich einfach gegen das Zuhören verwehren. Denn es gibt Menschen, die nutzten ein offenes Ohr auch schon mal maßlos aus. Gutes Zuhören gehört zu den großen Tugenden. Aber – eben. Maßvolles Reden auch…

    Gefällt 1 Person

  3. ich bin sicher kein perfekter zuhörer. ich bemühe mich, ein guter zu sein.
    es kommt auch aufs gegenüber an. es gibt menschen, bei denen mir das (konzentrierte) zuhören schwer fällt. bei anderen menschen fällt es mir dagegen leicht, weil sie sich gut ausdrücken, weil sie nicht zu schnell reden, weil ich bei ihnen das gefühl habe, dass sie mit mir reden und mich nicht als zuhörer missbrauchen.
    nur ein guter sender kann einen guten empfänger erwarten.
    aber freilich gibt es berufe, wo das gute zuhören sehr wichtig ist, man also über einige defizite des senders hinwegsehen muss. als altenpfleger war ich in einer solchen position. als privatperson nehme ich mir den luxus, auch mal wegzuhören… oder einfach mit dem zuhören überfordert zu sein.

    Gefällt 1 Person

  4. Das sind echt gute Fragen, bei denen ich mir an die eigene Nase fassen muss. ;-) Zuhören hatte ich ja eigentlich mal gelernt, als Zuhörer in Vorlesungen, und bei diversen Monologen, hier von höheren Geistlichen. Da war Zuhören Pflicht, aber es regte die meiste Zeit nicht zum Nachdenken an. ;-) Nun ja, man ist ja lernfähig. LG Michael

    Gefällt 1 Person

  5. Hallo Annette, das hast du wunderbar geschrieben, ich geb’s mal meiner Frau zum lesen und nehme mich gleichzeitig an der eigenen Nase. Ist mal ganz gut wenn man darüber nachdenkt und sein eigenes Verhalten anpasst. Vielen Dank und ganz liebe Grüße nach Dortmund. Wolfgang

    Gefällt 1 Person

  6. Zuhören ist in der Tat eine Kunst, liebe Annette. Vielleicht ist es die Kunst, seinem Drang, die eigenen Antworten oder Bemerkungen dazwischenzugeben, nicht nachzugeben. Empathie und ehrliches Interesse dem Anderen gegenüber ist dabei sehr hilfreich. Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

  7. Ich bin leider keine sehr gute Zuhörerin, mein Hirn springt bei Smalltalk gern ab oder assoziiert viel zu schnell mit allem möglichen Zeug. Da verpasse ich oft die feinen Untertöne im Gespräch. Wobei ich allerdings auch festgestellt habe, dass das vielen Leuten lieber ist, als meine volle Aufmerksamkeit.

    Gefällt 1 Person

  8. Das ist verschieden.
    Bei politischen Debatten bin ich ungeduldig und auch unduldsam. Da fahre ich schnell dazwischen und bringe meine eigenen Ansichten zu Gehör. Dabei neige ich zum Monologisieren, denn, wie Kleist sagt, kann ich meine Gedanken am besten beim Reden entwickeln..
    Bei smalltalk schalte ich schnell ab. Das richtige Zuhören verbraucht viel Energie, die ich da nicht investieren möchte.
    Bei echten persönlichen Anliegen und natürlich im therapeutischen Setting höre ich gut zu, doch auch da stoppe ich den Erzählfluss, wenn er beginnt, automatisch zu werden. Wir kennen das alle: jemand will „seine Geschichte“ wieder und wieder erzählen, um sie bestätigt zu bekommen. Da unterbreche ich dann mit „disruptiven“ Fragen, so wie man einen Bach mit einem Stein blockiert, um zu sehen, wie er sich dann verhält. Und lausche quasi mit meinem ganzen Organismus, um aufzufangen, worum es wirklich geht

    Gefällt 3 Personen

  9. Ich höre gerne zu, bin auch hilfsbereit wenn Fragen kommen,nur beim Gerede über anderen Menschen, schalte ich ab, weil meine Einstellung ist; mann sollte alles von zwei seiten hören und wenn welcher zu mir sagen nicht weiter erzählen, da denke ich??????warum erzählen die was den anvertraut ist, also kann ich diesen Person nicht mein Privat Angelegenheiten anvertrauen.

    Gefällt 1 Person

  10. Wenn Menschen wirklich ein Anliegen oder ein Problem haben, worüber sie sprechen möchten, höre ich gut zu und komme auch mit relevanten Fragen. Einen Rat geben ist nicht so mein Ding, höchstens wenn mich jemand fragt, wie ich die Situation handhaben würde. Darauf würde ich natürlichen antworten, wenn ich kann.
    Zumüllen lasse ich mich ungerne, da entziehe ich mich gerne, wenn ich kann. Ich hatte mal einen Kollegen, der mich eine halbe Stunde lang vollgelabert hat und sich dann bei mir für das gute Gespräch bedankt hat. Oder eine Frau im Zug von Kopenhagen nach Hamburg, die sich langweilte und einfach anfing mich anzuquatschen, obwohl sie sah, dass ich ein Buch las. Sie hörte dann erst in Hamburg auf zu quatschen. Sowas würde ich heutzutage nicht mehr mitmachen, auch nicht aus Höflichkeit.

    Gefällt 1 Person

  11. Das ist manches Mal ein ganz schmaler Grat und braucht viel Einfühlungsvermögen. Aber es kommt in erster Linie auf die Person und ihren emotionalen Zustand an.
    Ich unterscheide da zwischen denen die einfach nur einen Zuhörer, oder denen die auch einen Rat haben möchten. Aber dieses Thema lässt sich nicht mit zwei Sätzen abhandeln.
    Vermutlich möchtest du deinen Mitmenschen auf diesem Weg etwas vermitteln – nämlich mehr auf den Anderen zu achten.
    Lieben Gruß,
    Lilo

    Gefällt 3 Personen

  12. Deine Fragen sind wichtig, aber ich beschränke mich darauf, DAS dazu zu sagen, was mir am Wichtigsten erscheint: Zuhören und die Klappe halten solange der andere spricht erscheint mir wesentlich. Auch die Meinung des anderen gelten lassen, so wenig man ihr auch zustimmen mag. Und was ich so überhaupt nicht mag, ist, wenn ich schwallartig zugetextet werde; das lasse ich eine weile geschehen, und dann finde ich sicherlich eine Möglichkeit, mich dem Gesamtvorgang zu entziehen. UND – ich entscheide gerne selbst, ob ich an einem Gespräch teilnehmen möchte … etwa weil ich eig meine Ruhe h

    Gefällt 1 Person

  13. Wichtige Fragen und ein guter Denkanstoß. Viel zu oft ertappe ich mich, beim Zuhören schon nach Antworten zu suchen oder es kaum abwarten zu können, meine Anliegen anzubringen. Weniger im beruflichen, da gehört genaues Zuhören und Hinhören zum Job, aber im Privaten, da mangelt es oft am Zuhören können. Dabei ist es gerade dort aber besonders wichtig… Liebe Grüße, Trina

    Gefällt 2 Personen

  14. Ich denke, dass ich ein aufmerksamer Zuhörer bin, meide aber seit einiger Zeit Menschen, die Monologe halten und am Schluss eines „Gespräches“ sagen: Nun sag noch schnell, wie geht es dir?
    Früher war ich einfach zu höflich, um sie zu unterbrechen, mit den Jahren muss ich mir meine Zeit besser einteilen und darf sie nicht vergeuden.
    Viele Grüße
    Regina

    Gefällt 4 Personen

Ich freue mich auf deinen Kommentar. Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s