Man nennt ihn Manni

Manni, Foto: privat

Im Alter von etwa fünf Jahren zieht Manni mit seiner Familie aus einer vormals erfolgreichen Porzellan-Stadt in Oberfranken nach Bochum ins Ruhrgebiet. Die sprachlichen Unterschiede, die heute nicht mehr hörbar sind, machen es dem kleinen Jungen damals nicht leicht, Freunde in der neuen Umgebung zu finden.

Sein Vater drängt ihn, nach seinem Schulabschluss Kfz-Mechaniker zu werden. Manfred Richter – man nennt ihn im Ruhrgebiet überwiegend Manni, folgt dem Wunsch seines Vaters, arbeitet nach Abschluss seiner Ausbildung in einer Kfz-Werkstatt und wechselt zum damals in Bochum ansässigen Opel-Werk. So richtig Spaß macht ihm diese Arbeit nicht. Er montiert am Fließband Sitze – jeden Tag die gesamte Schicht lang die immer wieder gleichen Handgriffe.

Mit etwa Anfang 20 stellt er sich immer häufiger die Frage nach dem Sinn seines Tuns.

„Ich lebe nicht nur, um zu arbeiten“

Der junge Mann wechselt zurück in den Werkstatt-Bereich. In Bochum-Gerthe ergibt sich für ihn zudem die Möglichkeit, in einem alternativen Wohnprojekt zu leben. In vierzehn Bungalows leben 120 Menschen. Hier fühlt er sich wohl, denn er trifft auf eine bunte Mischung aus Philosoph*innen, Mediziner*innen, Pädagog*innen uvm. Manni kommt hier auch erstmalig in Kontakt mit Schamanismus und Philosophie. Diese Zeit prägt ihn maßgeblich.  

„Es wurde mir zum ersten Mal richtig zugehört“

erzählt er. Er lernt in dieser Zeit seine damalige Frau kennen, mit der er über 22 Jahre verheiratet war und heute weiterhin sehr gut befreundet ist. Als junges Paar nehmen die beiden damals Pflegekinder bei sich auf, stellen jedoch schnell fest, dass sie sich und ihre Beziehung damit überfordern und vom Jugendamt wenig Unterstützung erwarten können.

Während seines langjährigen Kampfsport-Trainings entdeckt Manni, dass er bei Verletzungen intuitiv weiß, wie er seine Hände einsetzen muss, um sich oder anderen zu helfen. Seine „heilenden Hände“ bringen ihn zur Beschäftigung mit Chakren und zum Reiki. „Alles läuft in dieser Zeit, aber irgendwie bin ich nicht gut drauf“, fügt Manfred Richter hinzu.

 „Lebe ich mein Leben oder lebe ich die Vorstellung meines Lebens?“

Start in die Selbstständigkeit mit eigener Kfz-Werkstatt, Foto: privat

1994 setzt Manni alles auf eine Karte und macht sich nach erfolgreichem Abschluss zum Kfz-Meister als Ein-Mann-Unternehmen mit eigener Werkstatt in Dortmund selbstständig. Heute führt er dasselbe Unternehmen erfolgreich mit fünfzig Angestellten. Parallel durchläuft er ein Studium im Bereich Finanzen, Controlling und Mitarbeiter*innenführung. Zusätzlich zu seiner Auto-Werkstatt eröffnet er bereits vor einigen Jahren in Dortmund die Wohnmobil-Klinik.

Die Frage bleibt: Lebe ich mein Leben?

Diese Frage treibt ihn immer wieder an. Der Mann, der in seiner Freizeit gerne Motorrad fährt und als Drummer in einer Band spielt, absolviert Fortbildungen zum Entspannungstrainer und Hypnose-Coach, lässt sich zum Reiki Meister ausbilden. Diese Ausbildung bringt ihn mit Carmen in Kontakt, die ich euch hier vor einiger Zeit bereits vorgestellt habe. Aktuell startet er zusätzlich mit der Ausbildung zum Heilpraktiker Psychotherapie.

Ehrung zum 25jährigen Bestehen durch den Obermeister/GF Handwerk, Foto: privat

 

Manni und Suse, Foto: privat

Am 1. Dezember 2022 eröffnet er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Entspannungstrainerin Suse eine Praxis in unmittelbarer Umgebung des Dortmunder Klinikviertels in der Beurhausstraße (vielen Dortmunder*innen vormals bekannt unter dem Namen Ita-Wegmann-Therapeutikum). Neben dem eigenen Programm werden für Einzel- und Gruppentermine weitere Kurse für Yoga, Tai Chi, Feldenkrais, Gesang, Trommeln u.ä. angeboten. Aktuell werden übrigens noch Lehrer*innen für weitere Kursangebote in der neuen Praxis gesucht.

Seine Wünsche/Träume für die Zukunft:

Der Unternehmer Manfred Richter, Foto: privat

„Ich möchte später mit dem Wohnmobil die Welt erkunden“.

Sein Lebensmotto:

„Auf ins Leben – geh‘ raus und leb‘ dein Leben aus tiefster Überzeugung“.

Weitere Infos unter www.ams-richter-dortmund.de, www.wohnmobil-klinik-dortmund.de und www.reiki-do.de

Text: Annette Mertens

Fotos: Manfred Richter/privat

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Man nennt ihn Manni

29 Gedanken zu “Man nennt ihn Manni

  1. Ein tolles Portrait über einen vielseitigen Menschen – und ürigens gar nicht mal so selten, dass sich so viele Möglichkeiten in eines Menschen Seele zeigen. Ich glaube, manche Menschen sehen nur nicht so genau hin, sie spüren nicht ausreichend in ihr Innerstes, um viele (zunächst so verschieden wirkende) Potentiale zu erkennen. Es braucht aus meiner Erfahrung gewisse Schöpferpausen, um in Ruhe zu hören, was noch aus einem herauskommen möchte. Bei mir geschieht dies immer in Phasen, in denen ich mich zurückziehe (und solche Phasen waren auch schon Erschöpfungsphasen), auch einmal eine berufliche Türe schließe, ohne zu wissen, was danach kommt, aber schon lange gespürt zu haben, dass da noch Aufgaben warten, um angepackt zu werden. Meine Frage an mich lautet: Lebe ich oder werde ich gelebt? Versuche ich, Ansprüche von außen an mich zu erfüllen oder lebe ich das, wovon ich spüre, dass es einen großen Teil meines Wesens ausmacht? Wenn ich diesen Wesensanteilen nachgehe und Aufträge des Lebens an mich spüre, dann ergeben sich Möglichkeiten. Erst diesen Herbst ist dieses berufliche Wunder wieder geschehen – und dafür bin ich sehr dankbar!

    Manni und Suse, ich wünsche Euch tolle Erfahrungen – beruflich wie privat! Und viele Menschen, die sich gemeinsam mit Euch auf Entdeckungsreisen begeben!
    Auf die Fülle des Lebens! Liebe Grüße, C Stern

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  2. Liebe Annette, Lebensgeschichten sind immer spannend. Du hast es überdies verstanden, den Menschen Manni sehr lebendig darzustellen. Bravo! Ich selbst finde im Schamanismus und anderen fremden Kulturanteilen keine Lebens-Erfüllung, nachdem ich mich in den 80er Jahren intensiv damit beschäftigt habe. Am Schluss hat sich gezeigt bzw. bestätigt: Zu mir passt das Christentum und ist für mich wegweisend. Aber jedem das Seine. Und so soll es auch sein. Liebe Grüße, Elisa

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  3. Was für ein Leben: Autohaus und Reki. Ich dachte immer, das sei unvereinbar. Zufällig kenne ich auch einen Manfred, ein Kfz-Meister, der mein Motorrad am Laufen hält. Neulich hatten wir Zeit und er hat mir sein Leben erzählt, Motorradrennen im West-Berlin der 70er, die Frauen, die Kinder. Und da dachte ich: Das müsste ich mal aufschreiben. Wie gut, dass du solche Lebensgeschichten mit uns teilst.

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