Sind wir überhaupt noch in der Lage, Ursachen zu beheben statt immer wieder Symptome zu behandeln?
Fallen euch Beispiele von euch oder aus eurer näheren Umgebung ein, bei denen mehr als nur die Symptome behandelt wurden?
Wie z. B. bei Kopfschmerzen? Oder Rückenschmerzen? Behandelt ihr die Symptome oder zieht ihr die systemische Betrachtung des Problems in Betracht, um z. B. infolge einer kleinen oder größeren Veränderung des Lebenswandels durch mehr Pausen, genug Schlaf, Flüssigkeitsaufnahme, einen Austausch des Bürostuhls o. a. zu einem gesünderen Lebensstil zu kommen? Ist euer Alltag so durchgetaktet, dass ihr euch dafür keine Zeit nehmt/nehmen könnt?
In der heutigen Medizin geht es oft um die Überwachung der Symptome, wie z. B. bei Bluthochdruck. Vergessen wir dabei nicht allzu schnell, dass die Überwachung lediglich den Zweck erfüllt, eine Verbesserung oder Verschlechterung zu bemerken, statt unser häufig selbst schädigendes Verhalten (zu wenig Bewegung, falsche Ernährung usw.) zu ändern?
In der aktuellen Diskussion um Sozialleistungen geht es ebenfalls mehr um Überwachung und Kontrolle statt um Bekämpfung der Ursachen von Armut, Krankheit, sozialer Spaltung oder mangelnder Bildung.
Wie kann uns ein Bewusstseinswandel gelingen, bei dem wir unser Augenmerk nicht nur auf die aktuellen Symptome richten, sondern auf die Ursachen unserer Probleme?
Stress, Genervtheit oder Schlafmangel werden oft nicht im Kontext eines Menschen in seinem Alltag betrachtet. Dabei sind sie unser Frühwarnsystem, das uns zeigt, dass wir von irgendetwas zu viel – z. B. zu laute Umgebung, zu viel Arbeit plus familiäre Anforderungen und die daraus resultierende Angst, dem nicht gerecht zu werden – oder zu wenig – Ruhe/Erholung, finanzielle Unsicherheit, Angst vor Arbeitsplatzverlust u. ä. – in unserem Leben haben.
Diese Liste der Lebensbereiche können wir endlos fortführen, sei es beim Thema Plastikmüll, einer gesunden und bezahlbaren Lebensweise, unserem Einkaufsverhalten, Insektensterben/Diversitätsverlust, Klimawandel, Ressourcenausbeutung, Pflege und und und. Euch fallen sicher viele weitere Bereiche ein. Mir geht es nicht darum, eine/n Schuldige/n auszumachen, denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir sehr genau, dass wir alle ausnahmslos daran beteiligt sind, auch wenn es manchmal etwas sehr abstrakt und schwer erkennbar ist. Niemand kann alles richtig machen, denn wir alle verbrauchen die Ressourcen unseres Planeten. Doch wir können alle einen besseren Umgang damit finden:
Es wird niemals eine dieser Ursachen wirklich bekämpft, wenn wir die Schuld bei einem anderen suchen.
Welche unserer eigenen Verhaltensweisen erzeugen ein Problem immer wieder neu?
Weil wir beispielsweise in den eng besiedelten Städten keine Rücksicht auf unsere Mitmenschen nehmen möchten, die ebenso ein Bedürfnis nach Ruhe, Erholung, Schlaf, Entspannung haben und wir dadurch permanent immer wieder dieselben Konflikte entfachen?
Wir sitzen alle in diesem einem Boot namens Erde. Wir können damit gemeinsam kentern oder gemeinsam rudern. Was meint ihr?
Wie überwinden wir unsere Gründe, an den Symptomen herum zu doktern und kommen zu einem reflektierten, angstfreien Umgang mit den Ursachen? Weg von kurzfristiger Entlastung zur Arbeit an der Ursache eines oder auch vieler Probleme?
Ich freue mich auf eure Gedanken.

Text: Annette Mertens
Foto: Anke Stenda





